
Wer eine Mitteldistanz sucht, bei der man einfach nur 1,9 Kilometer schwimmt, 90 Kilometer flach Rad fährt und anschließend einen Halbmarathon abspult, sollte vielleicht nicht unbedingt ins Allgäu fahren. Wer dagegen Berge, Kuhglocken und ein bisschen Abenteuer mag, ist beim traditionsreichen Allgäu Triathlon ziemlich richtig.
Für PowerBär Tobias Bäumler begann der Allgäu CLASSIC mit einem turbulenten Massenstart im Großen Alpsee. Reichlich Körperkontakt sorgte sogar für eine kurze Zwangspause zum Neu-Sortieren. Und weil 1,9 Kilometer Schwimmen am Stück offenbar zu gewöhnlich wären, wartet unterwegs noch der Australian Exit: raus aus dem Wasser, ein paar Meter laufen und wieder rein. Mit 34:21 Minuten blieb Tobias als eigentlich routinierter Schwimmer unter seinen Erwartungen – der Trainingsfokus liegt derzeit allerdings bewusst auf den größeren Defiziten an Land.
Auf dem Rad zeigte sich dann, wofür zuletzt mehr trainiert wurde: 92 Kilometer und rund 1.240 Höhenmeter auf zwei anspruchsvollen Runden. Das Highlight ist jeweils der Kalvarienberg mit bis zu 20 Prozent Steigung. Die Stimmung erinnert fast an den Solarer Berg in Roth – nur über weniger Meter und dafür an einem richtigen Berg, der den Beinen deutlich mehr abverlangt. Zuschauerspalier, Kuhglocken und ordentlich Lärm machen die Kletterpartie trotzdem zu einem der schönsten Abschnitte des Rennens. Nach 3:36:41 Stunden war das Rad wieder in der Wechselzone.
Wer danach dachte, beim Laufen werde es jetzt gemütlicher, hatte die Rechnung ohne den Allgäu Triathlon gemacht. Spätestens am berüchtigten Kuhsteig war klar, dass natürlich auch die Laufstrecke noch ihre kleine Gemeinheit bereithalten musste: Auf der kurzen Rampe mit stellenweise rund 30 Prozent Steigung wird aus Laufen ziemlich schnell eine Bergwanderung – bevor oben angekommen noch einige Kilometer bis ins Ziel warten.
Trotzdem blieben die Beine bis zum Schluss erstaunlich kooperativ und nach 2:00:17 Stunden waren auch die 20 Laufkilometer geschafft. Die Sub-2 dabei um gerade einmal 17 Sekunden zu verpassen, ist zwar ein bisschen ärgerlich, liefert aber immerhin direkt einen Grund für eine Revanche.
Nach insgesamt 6:25:42 Stunden überquerte Tobias schließlich als 671. die Ziellinie.
Unterm Strich: kein perfektes Rennen, aber definitiv ein ziemlich großartiges. Schwimmen mit Landgang, knackige Rampen, Bergpanorama, Kuhglocken und zum Nachtisch der Kuhsteig – der Allgäu Triathlon ist irgendwo zwischen Mitteldistanz, Bergtour und Volksfest angesiedelt.
Auch für die Begleitung eignet sich das Ganze hervorragend: kurze Wege rund um Immenstadt und den Alpsee, viele Zuschauer-Hotspots und genug Cafés für die Zeit dazwischen – Allgäu-Urlaubsfeeling inklusive. So wird aus dem Wettkampf schnell ein ziemlich gutes gemeinsames Wochenende.
Und wer eine Mitteldistanz sucht, an die man sich nicht nur wegen seiner Zielzeit erinnert, sollte den Allgäu CLASSIC definitiv auf die Liste setzen.










